“Das ist ein bisschen so, wie wenn bei einer Beerdigung der Sarg in den Boden gefahren wird.”
2 einsame PAZZler mussten heute mit wehmütigen Blicken zusehen, wie der Abschleppdienst Wiechmann unser PAZZ-Auto (gesponsert von Hayek Automobile) beerdigte. Ein letztes Relikt dieser wunderschönen 10 Tage verschwindet aus dem Stadtbild, das nur darauf wartet in 2 Jahren wieder in allen Farben und (überwiegend eckigen) Formen zu leuchten.
Bis zu deiner Wiederauferstehung 2012 liebes PAZZ Festival.
Wieder gut in Mannheim angekommen. Angenehme Zugfahrt gehabt. Unterwegs von einer Verkäuferin komisch angeschaut worden, als ich den Cappuccino zum Mitnehmen mit einem orangenen Bon bezahlen wollte. Blick auf den Tagesplan verriet gestern schon gähnende Leere. Was mache ich jetzt ohne Pazz. Großes Fragezeichen. Zwei Jahre bis zum nächsten Festival sind entschieden zu lang. Darum heute Abend gleich mal wieder ins Nationaltheater. In Heidelberg gibt’s auch noch den Stückemarkt. Und im TiG7 läuft bald das englischsprachige Festival Here & Now. Rettung also in Sicht. Jööööh.
Does every game need rules? Who’s making them? And which would be the consequences for breaking them? As we turn into the final spurt of this years festival week these really seem to be the main questions in our discussion about contemporary performing arts. Most if not all of this weeks performances were challenging conventional ways of making and consuming theatre. Some of them close to anarchy, some quietly fighting for more dramatic freedom. Some of them strictly personal, others absurdly ecclectic. But each and everyone of them was definitely questioning the rules of traditional stage performances and their power over dramatic storytelling. So I guess it’s about time start the rethinking process on the other side of the stage as well. Time for us, the audience, to start adjusting. And on the way maybe even bidding some good old friends a very dearly felt goodbye. But remember that the road that leads you away can always bring you back home.
Mal ehrlich, jeden Tag nur geistige Anstrengung, das kann ja nicht alles sein. Zwischendurch tut es doch auch mal ganz gut, das Gehirn wieder frei zu pusten für seine nächsten, abenteuerlichen Verrenkungen. Durch Sport zum Beispiel. Joggen könnte man. Rad fahren. Morgengymnastik betreiben. Oder wenigstens Tischfußball spielen.
Freunde des manuellen Kickens können im bau_werk nach Herzenslust gegen weiße Plastikbällchen treten. Für 50 Cent kullern rund 15 entsprechende Sportgeräte heraus.
Dann heißt es: Anstoß. Pass auf die rechte Außenbahn. Eine Flanke zum Mittelstürmer. Jetzt die Nerven bewahren. Schuss – und Tor. Eiskalt versenkt.
Die Männlein in den roten Hosen sind allerdings klar im Nachteil. Schuld ist die schiefe Ebene. Das muss man dem unterlegenen Stipendiaten-Team fairerweise zugestehen.
Der Pazz-Stipendiat T. aus F. war am Dienstagabend von der örtlichen Polizei aufgegriffen worden, als er auf dem linken der beiden Fahrradwege von der Marienstraße in Richtung Heiligengeistwall fuhr. Da auch in F. das Rechtsfahrgebot gilt, so der Diensthabende Oberwachtmeister H., könne er von einer Ordnungsstrafe nicht absehen. T. habe grob fahrlässig gehandelt, wenn nicht gar vorsätzlich. Er hätte absteigen und das Fahrrad schieben müssen. Oldenburg ist eine Fahrradstadt und ältere Damen würden sich erschrecken, wenn mitten im Berufsverkehr, so aus dem Nichts, ein Fahrradfahrer auftauche. Das Ordnungsgeld in Höhe von EUR 15,-wurde gleich eingezogen. Die Alternative wäre eine Anzeige gewesen.
I’ve always been afraid of big people. There’s something in the way they’re moving that simply makes me nervous. Big people usually aren’t very tall. Big people usually have big auras who can make you feel very small. And also, big people would hurt me if they fell down on me. But lately it occured to me that big people can have very timid delicate souls. A fascinating fact and a quite reasonable trick of nature as well. Thom Luz is one of them big people at first sight. “The lost art of keeping a secret” is his second play. As an director that is. A fractured dramatic narrative about a very lonely man. Underneath the warmly drawn sketches of criminal detective story, the poetic confusion of overlapping layers of emotional references and the surrealistic take offs lies a very personal rendition of life. And personally one of the most moving experiences I’ve had here so far. While still being a ruptured piece of storytelling it opens up a strictly personally approach to sceneographic working. And gives room to a grand poetic playground. Luz may still be one of the big guys with a delicate soul. But he’s certainly lost his Angst-making powers after our talk this morning.
PS And thanks for the beautiful Scott Matthew.
Sie sind die guten Geister. Ihr Erkennungszeichen: ein roter Pazzport. Ihre Mission: das PAZZ-Festival für alle Teilnehmer und Besucher so angenehm wie möglich zu gestalten.
Aber wer sind sie eigentlich, die die Künstler und die Bands betreuen, übers Programm informieren, Karten reservieren und einem sonst auch fast jeden Wunsch erfüllen? Es sind die Pazz-Praktikanten.
Und eine von ihnen ist Marielle (22). Wenn sie nicht gerade in Hildesheim Englisch und Französisch studiert, findet man sie auch öfters im Theater. In Oldenburg war sie schon bei den Tanztagen und als Regiehospitantin am Staatstheater.
Für PAZZ hat sie unter anderem die Untertitel zur Iglu-Installation auf dem Vorplatz der Exerzierhalle übersetzt. Jetzt findet sie am Infostand Antworten auf alle Fragen rund ums Festival und springt für die erkrankte Bandbeauftragte ein.
größter Spaßfaktor: die Arbeit mit den anderen Pazzlern
größter Stressfaktor: wenn die dringend benötigten Schlüssel unauffindbar sind
18.00 Uhr Dress me up in your love (Theatre Replacement & Oldenburgisches Staatstheater)
– junges Theater, mit tollen Ideen.
- Durch unscheinbare Kleidungsstücke werden zum Teil sehr emotionale Geschichten erzählt.
- Es ist schön auch einen Eindruck von jungem Theater auf dem Festival zu haben.
- auch jetzt schon ist das Stück sehr toll und macht Spaß es zu sehen.
20.00 Uhr Black Tie (Rimini Protokoll)
- Ein Stück, dass mich sehr bewegt hat, extreme Gefühlslagen, wie völlig losgelöst und heiter, über Traurigkeit und Fremd- Schämen bis hin zu völligem Entsetzten über das was ich gesehen und gehört habe.
- Es wird nicht das letzte Stück gewesen sein, dass ich gesehen habe.
- Wo komme ich her, wer bin ich, wer ist meine Familie, was ist Heimat, wo ist Heimat?
- Was ist Fiktion
- Wer ist Miriam wirklich?
21.30 Uhr Mausoleum Buffon (ANDCOMPANY & CO)
– Ich bin eigentlich völlig geschafft.
– Fragmentarische Fiktion.
- Würde ich mit mehr geschichtlichen Hintergrund mehr verstehen? Wird vom Zuschauer dieses Wissen erwartet?
Meine Eltern waren mit einer Familie befreundet, die sich ihren eigenen Kinderwunsch nicht erfüllen konnte und darum einen Jungen und ein Mädchen aus Südkorea adoptierten. Jill & Olli & ich waren Grundschulfreunde und haben uns danach aus den Augen verloren. Bewusst habe ich das Verhältnis (meins zu Ihnen und Ihres zur Welt) später nie reflektiert. Danke Miriam & Rimini für diesen so persönlichen Abend. Der für mich immer in der wunderbarsten Balance zwischen Intimität und Distanz stand. Und dessen Protagonistin selbstbestimmt agiert. Und der mir eine Schublade aus der Vergangenheit öffnet, die sonst verschlossen geblieben wäre.
Die weitläufige Meinung des Volksmundes sagt, dass Fliegenpilze giftig seien. Diese Pilze sind vielleicht nicht sonderlich genießbar, haben aber, und das ist mittlerweile bewiesen, psychoaktive Wirkung. Daher die Verbreitung dieses ‘Schreckgespensts’ von oberster Ebene über die absolute Tödlichkeit bei Verzehr?
Der Mensch passt sich doch erstaunlich schnell an eine neue Umgebung an. Das merkt man an Kleinigkeiten. Auch hier in Oldenburg. „Moin, moin“ rutscht einem inzwischen locker über die Lippen. Ist ja auch mit weniger Anstrengung zu artikulieren als ein umständliches „Guten Morgen“.
Den Fahrrad-Rowdies, die mindestens drei Viertel des Weges für sich beanspruchen und auch in Beschlag nehmen, setzt man nach ein paar Tagen ein größeres Stück Gelassenheit entgegen und fiktionalisiert sich in der öffentlichen Raumwahrnehmung nicht mehr permanent als potenzielles Crash-Opfer.
Schließlich liegt es doch, wie Festivalbesucher seit vergangenem Sonntag wissen, nur an einem selbst, ob man Angreifer sein will oder in der Verteidigung. Ob eiskalter Sprinter oder Vollbremser. Na ja, man muss sich ja nicht endgültig entscheiden.
Entschieden lässt sich aber festhalten, dass man im Festival gut angekommen ist. Der morgendliche Austausch in der Stipendiaten-Gruppe über das, was einem am Abend zuvor als Performance, Musiktheater oder als was auch immer angeboten wurde, war bislang nie einstimmig, aber immer fruchtbar.
Ebenso eingespielt hat sich die Beschaffung physischer Nahrung begleitend zur geistigen. Inzwischen weiß man, zu welchen Zeiten man zuzuschlagen hat und ahnt auch schon, was wohl serviert wird. Kleiner Tipp: Mit Curry, Nudeln oder Suppe ist man nach bisheriger Erfahrung meist nah dran.
Der Blick zur Halbzeit kann natürlich nur ein subjektiver sein. Er stimmt aber ausgesprochen positiv und nährt die Lust auf weitere ungewöhnliche Produktionen.
Bilder lernen laufen – auf dem Weg, von der Vorstellung von Boot Works zurück zur EX-Halle, lief uns tatsächlich Volker Gerling mit seinem Bauchladen über den Weg. Da liessen wir es uns nicht nehmen ihn ein Stück, durch die Oldenburger Innenstadt, zu begleiten.
Falling in love is a difficult thing to do. Falling in love is also one of the easiest goals we can achieve in life. Contradiction in terms. Maybe. But let me explain. Whenever we enter a theatre we are about to fall in love. Sometimes even just a few seconds away from a first kiss. At other times we find ourselves in the middle of a brutal and unforgiving divorce battle right before the longingly anticipated intermission.