Im Zentrum steht der Mensch- ein Trend in der Performance-Landschaft?

Eins zu eins ist jetzt vorbei

Wir sind wie Agenten

Jetzt ist es soweit“

(Tocotronic)


Auf dem Pazz-Festival fiel besonders ein thematisches Phänomen auf, dass momentan viele Performance-Künstler beschäftigt: „Bio-Pictures“, das Biografie-Erzähltheater.

-Die Auseinandersetzung mit, die Annäherung an und Suche nach einer Person.

Sei es eine real existierende aber abwesende wie in „Die verlorene Kunst, ein Geheimnis zu bewahren“ von Thom Luz; oder eine fiktive Person in „My Arm“ von Tim Crouch, die zuerst er selbst zu sein vorgibt.

Oder auch die eigene Person -als Experte der Wirklichkeit und des Alltags wie in „Black Tie“ von Rimini Protokoll, die mit diesem theatralen Motiv vor etwa 10 Jahren begannen.

Auch in der dem Stück „Mausoleum Buffo“ von andcompagny&co kam dieses Phänomen partiell vor: die Performer beichten, was sie früher geglaubt haben.

Selbst in Boris Nikitins „Woyzek“ stößt man auf das Personen-Phänomen: Malte Scholz spielt Malte Scholz, der Büchners Text vorliest oder der Nebel versprüht.


Aber das Interesse an Einzelschicksalen ist nicht nur auf den Performance- und Theater-Raum beschränkt. Im Fernsehen lassen sich unzählige Formate finden, die ihre Portraitierten ausstellen und lächerlich machen und an deren Dummheit sich der Fernsehzuschauer erhebend ergötzen kann.

Man labt sich am „Anderen“, dem Kranken, dem gesellschaftlich Ausgegrenzten, schlicht gesagt: dem „Ab-Normen“ und genießt das eigene Sein.

Die Sehnsucht nach Authentizität, nach dem Wahren, aber auch dem Fehlerhaften, nach dem Sozialkritischen ausgegrenzter Gruppen befriedigt meist eine ganz billige Neugier.


Es geht nicht mehr um fiktive, phantastische oder extreme (beispielsweise bei den Griechen sind die meisten Protagonisten am Ende tot) Geschichten, sondern um Alltag der Anderen, brühwarm und direkt aus dem Nähkästchen berichtet von „Experten des Alltags“ – Repräsentationstheater mit Wahrheitskult.

Warum wollen die Zuschauer keine „Geschichten“ mehr? Können sie sich weniger auf das Behauptete einlassen? Wird damit nicht das Prinzip des Theaters umgedreht? Es werden keine Bilder mehr gefunden, keine Metaphern, nur eine Mikro-Realität, die eine Makro-Realität symbolisiert.


Diese Art (der Authentizitätsbehauptung) des Biografie-Erzähltheaters schielt auf den Affekt und zielt auf die Emotion, nicht auf den Intellekt.“ (Christine Wahl)


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Dieser Artikel wurde am Mittwoch, Mai 5th, 2010 um 21:13 geschrieben, in der Kategorie: Allgemein. Sie können den RSS 2.0 feed abonieren. Sie können Kommentare hinterlassen, oder einen trackback setzen.

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